Illegale Vapes: Zoll-Razzia in Herford zeigt Ausmaß des Schwarzmarkts

Illegale Vapes sind längst kein Nischenproblem mehr. Der Zoll hat in Herford in Nordrhein-Westfalen erneut Tausende unversteuerte Einweg-E-Zigaretten sichergestellt. Warum der Kampf gegen den illegalen Handel so schwierig ist, welche Risiken für Verbraucher bestehen und wie groß das Problem wirklich ist.

Zoll stellt illegale Vapes und Tabakwaren sicher

Bei einer nächtlichen Razzia am 2. Oktober 2025 haben Beamte des Hauptzollamts Bielefeld gemeinsam mit der Kreispolizei Herford über 2.400 illegale Vapes, 48 Liter unversteuertes Liquid, 28 Kilogramm Wasserpfeifentabak sowie 10,5 Kilogramm Snus und Nikotinpouches beschlagnahmt.

Viele der Einweg-Vapes wiesen ein zu großes Füllvolumen auf oder trugen keine deutsche Steuerbanderole. Das ist ein klarer Hinweis auf Schmuggelware. Ermittlungen laufen wegen Steuerhehlerei und Verstößen gegen das Tabakerzeugnisgesetz sowie das Arzneimittelgesetz. In mehreren Fällen stehen auch Verstöße gegen Arbeits- und Hygienebestimmungen im Raum.

Nach Angaben der Behörden reiht sich der Fall in eine bundesweite Serie von Sicherstellungen ein. Bereits im Jahr 2024 wurden rund 1,9 Millionen illegale Vapes in Deutschland aus dem Verkehr gezogen. Der geschätzte Steuerschaden liegt im Millionenbereich.

Illegale Vapes: „Wir sehen eine Professionalisierung der Schmuggelnetzwerke“

„Die Kontrollbehörden leisten Großartiges, aber aktuell schöpfen sie Wasser mit einem Sieb. Wir brauchen koordinierte, bundesweit abgestimmte Maßnahmen gegen den illegalen Handel mit Vapes“,
sagt Jan Mücke, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE).

Ein Sprecher des Hauptzollamts Bielefeld ergänzt:

„Diese Kontrollmaßnahme in Herford soll deutlich machen: Wer illegale Einweg-Vapes ohne Steuerzeichen oder mit überhöhtem Füllvolumen verkauft, riskiert empfindliche Strafen, und wir bleiben dran.“

Die Ermittler sehen im Handel mit illegalen E-Zigaretten längst ein organisiertes Geschäft mit internationaler Struktur. Die Ware kommt überwiegend aus China, wird über die Niederlande eingeschleust und in deutschen Kiosken oder Shisha-Bars verkauft.

Hintergrund: Warum illegale Vapes ein Risiko für Verbraucher sind

Der Begriff illegale Vapes umfasst alle E-Zigaretten, die ohne Steuerbanderole, ohne Registrierung oder mit überhöhtem Füllvolumen auf den Markt gebracht werden. Damit umgehen Händler nicht nur Steuern, sondern auch wichtige Verbraucherschutzvorgaben.

Die Zollverwaltung warnt, dass viele dieser Produkte nicht geprüfte Inhaltsstoffe oder zu hohe Nikotinmengen enthalten. Teilweise wurden in beschlagnahmten Liquids gesundheitsschädliche Aromen und Lösungsmittel festgestellt.

Auch steuerrechtlich ist der Schaden erheblich. Seit 2024 gilt ein Steuersatz von 0,26 Euro pro Milliliter Liquid. Wer also Tausende illegale Vapes vertreibt, entzieht dem Staat beträchtliche Einnahmen.

Laut Branchenanalysen gilt insbesondere Nordrhein-Westfalen mit seiner zentralen Lage und den großen Logistikzentren als Hauptschmuggelkorridor. Der Fall Herford verdeutlicht, wie leicht illegale Produkte in reguläre Verkaufsstrukturen eingeschleust werden.

Illegale E-Zigaretten im Umlauf: „Verbraucher werden getäuscht“

„Viele Kunden wissen gar nicht, dass sie illegale E-Zigaretten kaufen. Verpackung, Design und Geschmack unterscheiden sich kaum von legaler Ware“,
sagt eine Mitarbeiterin einer Herforder Shisha-Bar, die anonym bleiben möchte.
„Erst wenn der Zoll vor der Tür steht, merkt man, wie groß das Risiko ist.“

Nach Recherchen unserer Redaktion nutzen Händler zunehmend soziale Medien, um illegale Vapes anzubieten. Häufig geschieht das über verschlüsselte Chatgruppen oder temporäre Online-Shops, die nach wenigen Tagen wieder verschwinden.

Wie der Kampf gegen illegale Vapes weitergeht

Der Zoll plant, die Kontrollen in Nordrhein-Westfalen und bundesweit zu verstärken. Besonders im Onlinehandel sollen Plattformbetreiber künftig stärker in die Pflicht genommen werden, illegale Angebote zu löschen und Verkaufswege zu melden.

Politisch wird ein bundesweites Hinweisportal für illegale Vapes diskutiert, über das Bürger verdächtige Händler anonym melden können. Branchenvertreter fordern außerdem eine einheitliche Kennzeichnungspflicht für Einweg-E-Zigaretten, um Fälschungen leichter zu erkennen.

Für Verbraucher gilt: Nur Produkte mit deutscher Steuerbanderole, maximal 2 Millilitern Füllvolumen und sichtbarer Herstellerkennzeichnung sind legal. Alles andere birgt rechtliche und gesundheitliche Risiken.

Händler, die illegal handeln, riskieren nicht nur Geld- und Haftstrafen, sondern auch den Verlust ihrer Gewerbeerlaubnis.

Fazit: Illegale E-Zigarette bleiben ein wachsendes Problem

Der jüngste Fund in Herford zeigt, wie stark sich der Schwarzmarkt für illegale Vapes in Deutschland ausbreitet. Hinter den bunten Verpackungen steckt ein Netzwerk aus Schmuggel, Steuerhinterziehung und Verbrauchertäuschung.

Die Behörden reagieren zunehmend konsequent. Doch Experten warnen: Ohne bundesweite Koordination, schärfere Strafen und Aufklärung der Verbraucher wird sich das Problem weiter verschärfen.

Tipp der Redaktion: Kaufen Sie E-Zigaretten nur bei registrierten Fachhändlern und achten Sie auf Steuerzeichen und legale Kennzeichnung. Nur so schützen Sie sich selbst und helfen, den illegalen Markt einzudämmen.

Bildquelle: envato.com